Braunes Pferd wird an der Doppellonge im sandigen Reitplatz gearbeitet, warmes Abendlicht

    Doppellonge

    Doppellongenarbeit beim Pferd

    Zwei Leinen, ein Pferd, klare Hilfen. Geraderichtung und Hinterhandaktivierung — vom Boden aus, vor dem Reiten.

    Was ist Doppellongenarbeit?

    Doppellongenarbeit ist Bodenarbeit mit zwei langen Leinen, die vom Gebiss durch Ringe des Longiergurts zur Hand der Trainerin oder des Trainers führen. Beide Leinen wirken wie Zügel — nur ohne Reitergewicht.

    Eine quantitative Biomechanik-Untersuchung der Vetmeduni Wien (Jungermann, 2009) belegte messbar mehr Rückenaktivität und gleichmäßigere Hinterhandbelastung an der Doppellonge als an der einfachen Longe. Sie ist damit eine der wirksamsten Formen der Sattelvorbereitung.

    Im Unterschied zum einfachen Longieren ist die Doppellonge näher am Reiten: Stellung, Biegung und Lektionen lassen sich anbahnen, ohne dass der Pferderücken belastet wird. Sie eignet sich für Jungpferde, Rehapferde und alle, die ihren Reitsitz nicht zwischen Pferd und Lektion stellen wollen.

    Sechs Übungen für den Einstieg

    Jede Übung in kurzen Sequenzen, mit klarer Reihenfolge. Lieber fünf saubere Wiederholungen als zehn ungenaue.

    Zirkel & große Wendungen

    Ziel: Längsbiegung lesen

    Auf großem Zirkel beginnen, beide Leinen gleichmäßig anstehen. Die äußere Leine umfasst die Hinterhand, die innere führt. So entsteht echte Biegung statt Schiefe.

    Übergänge in der Bewegung

    Ziel: Hinterhandaktivierung

    Schritt–Trab–Schritt mit klarer Stimme und feiner Leinenhilfe. Übergänge bauen Tragkraft auf, ohne dass das Pferd unter Reitergewicht steht.

    Schlangenlinien & Volten

    Ziel: Geraderichtung

    Aus dem Zirkel in Schlangenlinien wechseln. Beide Leinen erlauben Stellungswechsel, die mit einer Longe nicht sauber abrufbar sind.

    Bahnfiguren ohne Reiter

    Ziel: Dressur-Lektionen vorbereiten

    Achten, Schlangenlinien durch die Bahn, Mittellinie. Das Pferd lernt Linien, bevor Reitergewicht die Balance stört.

    Doppellongen-Umkehr

    Ziel: Handwechsel ohne Anhalten

    Sauberer Wechsel durch Heben der einen, sanftes Abgeben der anderen Leine. Erfordert Übung — beim Mensch mehr als beim Pferd.

    Seitengänge an der Doppellonge

    Ziel: Lateralarbeit fundieren

    Schulterherein und Travers lassen sich an der Doppellonge anbahnen. Voraussetzung: das Pferd geht ruhig und gerade auf dem Zirkel.

    Aufbau in vier Phasen

    Doppellongenarbeit braucht Reihenfolge. Wer Phasen überspringt, baut Verspannung auf statt Tragkraft.

    1. 1

      Voraussetzung – Material & Basics

      Longiergurt mit mehreren Ringen oder gut sitzender Sattel · Zwei Longen à ca. 8 m, ggf. Umlenkrollen · Pferd kennt Longieren und Stimmkommandos

    2. 2

      Phase 1 – Verschnallung & Stehen

      Innere Leine direkt am Gebissring · Äußere durch Gurtring zum Gebiss · Erst Stehen, dann Schritt – nicht direkt antraben

    3. 3

      Phase 2 – Schritt & Trab am Zirkel

      Großer Zirkel, gleichmäßige Anlehnung · Übergänge Schritt–Trab–Schritt mit Stimme · Auf Takt achten, nicht auf Tempo

    4. 4

      Phase 3 – Bahnfiguren & Lektionen

      Schlangenlinien, Volten, ganze Bahn · Anbahnen von Seitengängen · Galopp erst, wenn Trab in Balance ist

    Faustregel: Wenn drei Übergänge in Folge ruhig und durchlässig sind, ist Steigerung erlaubt. Vorher: wiederholen.

    Häufige Fehler

    • Zu kurze Leinen — wer die äußere Leine zu eng führt, kippt den Hals nach außen statt das Pferd gerade zu richten.
    • Falsche Verschnallung — äußere Leine über den Rücken statt durch den Gurtring belastet die Maulwinkel einseitig.
    • Zu früh Trab — das Pferd muss die Hilfen im Schritt verstehen, bevor Tempo dazukommt.
    • Eigene Position vergessen — der Mensch gehört auf Höhe der Hinterhand, nicht in die Mitte des Zirkels wie beim einfachen Longieren.
    • Material nicht prüfen — abgenutzte Karabiner, klemmende Umlenkrollen oder zu dünne Leinen sind Risikofaktoren. Vor jeder Einheit kontrollieren.
    • Zu lange Einheiten — 15–20 Minuten reichen. Doppellongenarbeit ist konzentriert; mehr ermüdet Pferd und Mensch.

    Sicherheit zuerst

    Die Doppellonge ist die unfallträchtigste Form der Bodenarbeit. Zwei lange Leinen, ein Pferd zwischen dir und der Hinterhand — eine ungeplante Reaktion reicht für einen Sturz oder eine Verletzung. Diese Punkte stehen vor jeder ersten Einheit.

    • Niemals Leinen ums Handgelenk wickeln: immer in Schlaufen über die Handfläche, sodass du sie sofort fallen lassen kannst.
    • Geschlossene Halle oder Roundpen: erste Einheiten nie im offenen Gelände. Falls das Pferd ausbricht, ist eine Begrenzung Pflicht.
    • Handschuhe und festes Schuhwerk: bei Zug verbrennen ungeschützte Hände innerhalb einer Sekunde.
    • Helfer in Reichweite: bei den ersten Versuchen jemand am Kopf des Pferdes, der notfalls eingreifen kann.
    • Notfall-Routine: beide Leinen loslassen, einen Schritt zurück, Pferd entgegenkommen lassen. Festhalten kostet immer mehr als loslassen.
    • Pferd vorbereiten: sichere Einfachlonge und Anlehnung am Kappzaum vor dem ersten Mal Doppellonge — keine Abkürzung.

    Quelle: FN-Richtlinien Band 6 (Longieren, Kapitel Doppellonge); Sicherheitshinweise der Berufsgenossenschaft für Reit- und Fahrbetriebe.

    Wie Reitspur dich an der Doppellonge unterstützt

    Drei Funktionen greifen ineinander. Du entscheidest, was du nutzt — die App bleibt unaufdringlich.

    Trainingsplan

    Plant Doppellongen-Einheiten gezielt zwischen Reiten und Bodenarbeit. So bleibt die Belastung sinnvoll verteilt.

    Coach im Chat

    Beantwortet konkrete Fragen: Welche Verschnallung passt? Wann ist Galopp dran? Wie korrigiere ich Schiefe?

    Reittagebuch

    Hält fest, was sitzt und woran du noch arbeitest. So wird die Entwicklung über Wochen sichtbar.

    Häufige Fragen

    Was ist Doppellongenarbeit?

    Doppellongenarbeit ist Bodenarbeit mit zwei langen Leinen, die vom Gebiss durch Ringe des Longiergurts oder über Umlenkrollen zur Hand der trainierenden Person führen. Beide Leinen wirken gleichzeitig — wie Zügel, nur vom Boden aus. Das ermöglicht echte Längsbiegung, Hinterhandaktivierung und Vorbereitung auf das Reiten.

    Doppellonge oder einfache Longe — was ist besser?

    Beides hat seinen Platz. Die einfache Longe ist gut für Aufwärmen, Lösen und Konditionsarbeit. Die Doppellonge erlaubt darüber hinaus echte Geraderichtung, Stellungs- und Lektionenarbeit — sie ist näher am Reiten. Eine quantitative Biomechanik-Studie der Vetmeduni Wien (Jungermann, 2009) zeigt deutlich aktivere Rückentätigkeit unter Doppellonge.

    Wie verschnalle ich die Doppellonge richtig?

    Standardverschnallung: Innere Leine direkt am inneren Gebissring, äußere Leine vom äußeren Gebissring durch einen mittleren Ring des Longiergurts und um die Hinterhand zur Hand. Bei höherem Niveau kommen Umlenkrollen ins Spiel. Wichtig: niemals so verschnallen, dass das Pferd in eine Zwangshaltung gerät.

    Brauche ich Umlenkrollen?

    Nicht zwingend. Für den Einstieg reichen die Ringe am Longiergurt. Umlenkrollen reduzieren Reibung und ermöglichen feinere Hilfen — sind aber Material, das gepflegt und kontrolliert werden muss. Eine klemmende Rolle ist gefährlicher als gar keine.

    Ab welchem Alter ist Doppellongenarbeit sinnvoll?

    Frühestens mit etwa 3 Jahren, in kurzen Einheiten. Jungpferde profitieren stark, weil die Doppellonge Tragkraft aufbaut, ohne dass Reitergewicht stört. Bei älteren Pferden ist sie hervorragend zur Reha und zum Wiederaufbau geeignet.

    Wie oft soll ich Doppellonge gehen?

    Ein bis zwei Einheiten pro Woche reichen. Doppellongenarbeit ist intensiv — gerade wenn echte Lektionen geübt werden. Ein klar geplanter Wochenrhythmus mit Wechsel aus Reiten, Bodenarbeit und Doppellonge ist wirksamer als tägliche Wiederholung.

    Kann ich als Anfänger Doppellonge lernen?

    Mit Anleitung ja. Die Koordination beider Leinen ist anspruchsvoll und sollte zuerst ohne Pferd geübt werden — etwa mit einer zweiten Person, die das Pferd simuliert. Ein Trainer:in mit Doppellongen-Erfahrung in den ersten Einheiten ist sehr empfehlenswert.

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