Reiterin bei der Bodenarbeit mit ihrem Pferd im sandigen Reitplatz, ruhige Körpersprache, warmes Abendlicht

    Bodenarbeit

    Bodenarbeit mit dem Pferd

    Sieben Grundübungen, eine sinnvolle Reihenfolge für die ersten Wochen und die häufigsten Fehler.

    Was ist Bodenarbeit?

    Bodenarbeit bezeichnet jede gezielte Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus — ohne Sattel und ohne dass der Mensch aufsteigt. Sie schult Aufmerksamkeit, Hilfengebung und die Verständigung zwischen Mensch und Pferd.

    Anders als beim Longieren, bei dem das Pferd auf einer Kreisbahn läuft, findet Bodenarbeit meist aus der Nähe statt: führen, weichen lassen, anhalten, rückwärtsrichten. Jede Übung verfolgt ein klares Ziel und basiert auf Druck und prompter Entlastung.

    Bodenarbeit eignet sich für jedes Alter und jeden Ausbildungsstand. Sie ist Aufbauarbeit für Jungpferde, Wiedereinstieg nach Pause, Alternative an Tagen ohne Reiten und Grundlage für vieles, was später im Sattel gelingen soll.

    Sieben Grundübungen

    Geordnet vom Einfachen zum Anspruchsvolleren. Jede Übung sollte an beiden Seiten geübt werden.

    Führen am losen Strick

    Ziel: Aufmerksamkeit, gemeinsames Tempo

    Stell dich auf Höhe der Schulter, etwa eine Armlänge entfernt. Gehe los, ohne am Strick zu ziehen. Bleibt das Pferd stehen, stelle dich kurz selbst zurück und starte neu. Ziel ist, dass es deinem Tempo folgt, nicht der Hand.

    Rückwärtsrichten

    Ziel: Respekt vor dem eigenen Raum, Hinterhand-Aktivität

    Stelle dich vor das Pferd, gib mit beiden Händen einen leichten Impuls am Halfter und lehne dich vor. Sobald ein Schritt zurück kommt, sofort den Druck wegnehmen. Beginne mit einem Schritt, baue langsam auf drei bis fünf aus.

    Seitwärts weichen

    Ziel: Schulterkontrolle, Reaktion auf feine Hilfen

    Stehe seitlich auf Höhe des Widerrists. Lege die flache Hand auf die Schulter und gib leichten Druck nach außen. Weicht das Pferd einen Schritt zur Seite, Hand wegnehmen und loben. Erst dann den nächsten Schritt.

    Vorhandwendung

    Ziel: Hinterhand bewegen, Beidseitigkeit prüfen

    Die Vorderbeine bleiben in etwa an Ort. Stell dich zur Schulter, fordere mit dem Strick eine leichte Biegung in deine Richtung und tippe wenn nötig hinter den Gurt. Schritt für Schritt arbeiten, beide Seiten gleich oft.

    Stehen lernen

    Ziel: Geduld, Selbstregulation

    Halte an, lass den Strick durchhängen, atme ruhig. Bewegt sich das Pferd, stelle es kommentarlos auf den ursprünglichen Platz zurück. Anfangs zehn Sekunden, mit der Zeit auf mehrere Minuten ausbauen.

    Gassen- und Stangenarbeit

    Ziel: Konzentration, Trittsicherheit, Vertrauen in Untergrund

    Lege zwei Stangen parallel im Abstand von 80 bis 100 cm. Führe das Pferd ruhig hindurch, ohne zu hetzen. Variiere später mit L-Form, Cavalettis oder verschiedenen Untergründen.

    Gelassenheits-Basics

    Ziel: Reizverarbeitung, Stressabbau

    Arbeite mit einem einzelnen Reiz: Plane, Regenschirm, Plastiktüte. Zeige das Objekt aus Distanz, lass das Pferd schauen. Wenn die Anspannung sinkt, näher kommen. Sobald es ruhig dabei steht, in eine andere Übung wechseln.

    Reihenfolge & Aufbau

    Eine Orientierung für die ersten Wochen mit einem neuen Pferd oder nach längerer Pause. Tempo und Reihenfolge je nach Pferd anpassen.

    1. 1

      Wochen 1–2: Grundlagen

      Führen · Stehen lernen · Rückwärtsrichten

    2. 2

      Wochen 3–4: Kontrolle einzelner Körperteile

      Seitwärts weichen · Vorhandwendung

    3. 3

      Ab Woche 5: Anspruch erhöhen

      Gassenarbeit · Gelassenheits-Basics · Kombinationen

    Reitspur erstellt aus deinem Reitspur-Profil und den Eigenschaften deines Pferdes einen passenden Wochenplan und passt ihn an, wenn du Übungen dokumentierst.

    Häufige Fehler

    • Zu langes Üben — zehn bis zwanzig Minuten konzentriert reichen.
    • Druck nicht früh genug wegnehmen — das Pferd lernt aus dem Loslassen, nicht aus dem Halten.
    • Immer dieselbe Seite trainieren — Übungen konsequent links und rechts.
    • Reden statt zeigen — Bodenarbeit lebt von klarer Körpersprache.
    • Neue Übung an einem unruhigen Tag einführen — erst bekannte Routine, dann Neues.

    Material & Platz

    Für die meisten Grundübungen reicht ein einfaches Setup. Wichtiger als die Ausrüstung ist, dass sie sauber passt und du sie sicher handhabst.

    • Halfter: Stallhalfter oder Knotenhalfter. Beides ist möglich; das Knotenhalfter wirkt feiner, setzt aber ruhige Hände voraus.
    • Führseil: ca. 3,5–4 m, weich in der Hand, mit Karabiner oder festem Knoten. Kein Aufrollen ums Handgelenk.
    • Bodenarbeitsgerte (optional): als verlängerter Arm zum Hindeuten, nicht zum Treiben.
    • Platz: Reitplatz, Halle oder ein eingezäuntes Stück Wiese mit ebenem Boden. Für die ersten Wochen reicht ein abgegrenzter Bereich von etwa 20×20 m.
    • Schuhe und Handschuhe: festes Schuhwerk, Handschuhe schützen bei Zug am Seil.

    Grundsatz aus der FN-Ausbildungsskala: Sicheres Handling vor feinem Hilfengeben — Material ersetzt keine Übung.

    Wie Reitspur dich beim Üben unterstützt

    Drei Funktionen greifen ineinander. Du entscheidest, was du nutzt — die App bleibt unaufdringlich.

    Trainingsplan

    Verteilt Bodenarbeitseinheiten über die Woche und berücksichtigt freie Tage, Reitstunden und Stalltermine.

    Coach im Chat

    Beantwortet konkrete Fragen zur Ausführung — etwa wenn eine Übung nicht klappt oder du eine Variante suchst.

    Reittagebuch

    Hält fest, was du gemacht hast und wie es lief. Daraus entstehen Verlaufsgrafiken und Anpassungen am Plan.

    Häufige Fragen

    Wie oft sollte ich Bodenarbeit machen?

    Zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche, zwischen 15 und 25 Minuten. Häufiger und kürzer schlägt selten und lang.

    Ab welchem Alter ist Bodenarbeit sinnvoll?

    Grundlegendes Führen und Stehen kann ab dem Fohlenalter geübt werden. Anspruchsvollere Übungen wie Rückwärtsrichten oder Seitwärts ab etwa drei Jahren, körperlich angepasst.

    Wie lange dauert eine Einheit?

    Eine konzentrierte Einheit dauert 15 bis 25 Minuten. Aufwärmen, drei bis vier Übungen, ruhiger Abschluss. Länger heißt nicht besser.

    Welche Ausrüstung brauche ich?

    Halfter, Führstrick von mindestens drei Metern, geschlossene Schuhe, Handschuhe. Für fortgeschrittene Übungen ein Bodenarbeitsseil und ein Gerte oder Stick als verlängerte Hand.

    Was ist der Unterschied zwischen Bodenarbeit und Longieren?

    Beim Longieren bewegt sich das Pferd auf einer Kreisbahn um den Menschen, vor allem zur körperlichen Arbeit. Bodenarbeit findet aus der Nähe statt und schult die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd in vielen Übungen.

    Ersetzt Bodenarbeit das Reiten?

    Nein. Sie ergänzt es. Übungen am Boden bereiten Hilfengebung, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit vor — und sind eine Alternative an Tagen, an denen Reiten nicht passt.

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